Blower Door Messung/Blower Door Test

Der Blower-Door-Test sollte am Neubau durchgeführt werden, sobald die Außenhaut steht und bevor weitere Wände und Decken eingebracht werden. Mit der Blower-Door-Messungen werden evtl. "Lecks" in der Außenhaut sehr leicht erkannt und können ohne weiteren Aufwand frühzeitig beseitigt werden.

Zur Ermittlung von evtl. offenen Stellen kann die Messung auch an einem schon bestehenden Gebäudes ausgeführt werden.

In Zeiten hoher Energiepreise und wachsendem Umweltbewusstseins ist ein luftdichtes Gebäude der erste Schritt zum sparsamen Umgang mit der Umwelt und dem eigenen Geldbeutel. In einem luftdichten Gebäude ist der Wärmeverlust sehr gering und kann durch vernünftiges Lüften auf ein Minimum reduziert werden.

Eine möglichst luftdichte Gebäudehülle ist nicht nur Grundlage für eine sinnvoll funktionierende Lüftung und minimalen Heizenergiebedarf, sondern bietet auch eine deutliche Erhöhung des Wohnkomforts. Zusammengefaßt sprechen die folgenden Argumente für die Luftdichtheit der Gebäudehülle: - Vermeidung von Bauschäden durch Tauwasserbildung, - Vermeiden von Zugluft bei Wind, - Verhinderung von "Kaltluftseen" durch einströmende Kaltluft in Fußbodennähe, - Vermeiden unnötiger Lüftungswärmeverluste, - Erhöhung des Schallschutzes gegen Außenlärm und zwischen Wohnungen (Luftschallübertragung), - Verbesserung der Luftqualität (luftdichte Abtrennung des Kellers; keine Geruchsübertragung von Wohnung zu Wohnung; weniger trockene Luft im Winter). Zur Messung der Luftdurchlässigkeit nach dem heute üblichen "Blower-Door-Meßverfahren" wird im Gebäudeinneren mit Hilfe eines drehzahlgeregelten Ventilators, der in einen Tür- oder Fensterrahmen eingebaut wird, eine definierte Druckdifferenz zur Außenluft erzeugt, -> 7-37.
Der vom Ventilator geförderte Volumenstrom ist dann genauso groß wie der Gesamtvolumenstrom durch alle Leckagen und damit ein Maß für die Luftdurchlässigkeit bzw. Luftdichtheit der Gebäudehülle.
7-37 Prinzip der Messung der Luftdurchlässigkeit mit dem "Blower-Door-Meßverfahren" (V_5Q : Volumenstrom der Luftdurchlässigkeit bei 50 Pa Unterdruck)

Mit Einführung der Energie-Einsparverordnung (EnEV) im Jahr 2001 wurde die BlowerDoor-Messung schließlich auch in Deutschland zum Standard beim Bau von Passivhäusern und zum allgemeingültigen Kriterium für eine zeitgemäße und energieeffiziente Bauweise. Zunehmend wird die BlowerDoor-Messung auch im gewerblichen Bereich u.a. in der Reinraumtechnik und im Brandschutz angewandt. Die Einsatzgebiete der BlowerDoor-Messung und der Gebäudethermografie sind vielfältig, die Gründe für luftdichtes Bauen ebenfalls: Ob Senkung des Energieverbrauches, Schutz vor konvektiv bedingten Bauschäden, Sicherheit vor dem Eintrag von Schadstoffen oder die Erhöhung des Wohnkomforts:

Gebäude Thermografie

Bei der Durchführung der Thermografie muß die Außentemperatur deutlich niedriger liegen als die Raumtemperatur, damit ein hoher Wärmestrom von innen nach außen zustande kommt und dadurch möglichst große Temperaturunterschiede auf der Außenoberfläche des Gebäudes auftreten. Außerdem sollte das Gebäude mindestens seit einigen Tagen vorher schon beheizt sein, damit insbesondere die Wände gleichmäßig erwärmt sind. Thermografie-Aaufnahmen werden nachts durchgeführt, um die Verfälschung des Ergebnisses durch die Infrarotstrahlung des Sonnenlichtes auszuschließen. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, eine thermografische Untersuchung mit einer Messung der Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle ("Blower-Door-Messung", -> 1,5.2.1) zu verbinden. Durch die Thermografie können beispielsweise die Stellen an der Außenoberfläche sichtbar gemacht werden, an denen bei Überdruck warme Luft aus dem Gebäude ausströmt. Umgekehrt kann eine bei Unterdruck angefertigte Thermografieaufnahme z. B. der Innenseite einer Dachhaut die Leckagen deutlich machen, durch die in dieser Situation kalte Außenluft nach innen strömt.
Die Thermografieaufnahme macht Temperaturunterschiede sichtbar. Bei einer Außenansicht eines beheizten Gebäudes heben sich dabei die Flächen und Bauteilanschlüsse ab, die wärmer sind als die umgebenden Flächen. Eine größere Temperatur wird aber durch einen höheren Wärmestrom von innen nach außen bewirkt und ist deshalb ein Hinweis auf eine schlechtere Wärmedämmwirkung bzw. eine Wärmebrücke an der betreffenden Stelle. Das Meßverfahren beruht auf der Sichtbarmachung von Wärmestrahlung (Infrarotstrahlung). Heutzutage wird hierzu in der Regel eine elektronische Kamera eingesetzt. Der darzustellende Temperaturbereich und die Auflösung sind einstellbar und können an die jeweilige Situation angepaßt werden. Das Ergebnis ist bei Schwarzweißkameras ein Bild, in dem die Temperaturunterschiede durch Grauwerte dargestellt werden. Bei Farbkameras erhält man ein Falschfarbenbild, bei dem die unterschiedlichen Farben verschiedenen Temperaturen entsprechen. Ein Beispiel einer Schwarzweiß-Thermografieaufnahme eines Altbaus ist in -^7-63 zu sehen. Abgesehen von den Fensterflächen zeichnen sich hier als Wärmebrücken (hell) abgebildete, d. h. warme Außenflächen) deutlich die Heizkörpernischen unter den Fenstern, die Fensterstürze und Geschoßdecken, die auskragende Balkonplatte sowie die Randanschlüsse der Dachgaube und der Dachfirst ab. Die Schwachstellen im Dachgeschoß sind zum Teil auf Leckagen in der luftdichten Gebäudehülle zurückzuführen, durch die warme Raumluft nach außen strömt, -> 1.5.


7-63 Thermografieaufnahme eines Wohngebäudes (Altbau) mit deutlich erkennbaren Wärmebrücken (Quelle: J. Rath, Fachhochschule Stuttgart)